Vergänglichkeit
Ein Gedicht von Rungard

1
Hörst Du das Raunen in dem Wind,
Vernimmst sein schaurig Klagen?
Verstehst Du dessen Worte Sinn
Und weißt, was er will sagen?

2
Horchst Du der alten Bäume Sang,
Im Wald in dunk'ler Nacht?
So manchen Reim, so manchen Klang
Sie dort bereits vollbracht.

3
Von bitterkalter Wintersnacht,
Erstarrt das ganze Leben,
Von sommerlicher Blütenpracht,
Geäst zur Sonne strebend.

4
Vor Allem singen sie jedoch,
Und das seit ält'ster Zeit,
Von eines jeden Lebens Joch:
Dem der Vergänglichkeit.

5
Siehst heute noch den Blättertanz,
Werden sie bald verwehen.
Selbst junger bunter Blüten Glanz,
Wird allzubald vergehen.

6
Die Winde der Veränd'rung weh'n
Und zerren an den Eichen.
So manches Jahr mögen sie steh'n,
Und doch müssen sie weichen.

7
So aller Wesen's Lebensglut
Erlischt doch irgendwann,
Und kommt ein Sturm mit tosend' Wut
Birst auch der dickste Stamm.

8
Das Schicksal mit gar steiner'm Herz
Oft Leben zu früh nimmt.
Kein Trauerlied, noch tiefster Schmerz
Je etwas wiederbringt.

9
Am Stamm des toten Baums jedoch
Obwohl er wird vergehen,
Siehst grünes Moos und Ranken noch,
Ein' jungen Sprössling stehen.

10
Des Alten Körper dargebracht,
Als er gestorben war.
Durch die Natur und ihrer Macht
Er Leben neu gebar.