1
Ich wandere zum heil'gen Ort,
Ein unberührter Hain.
Atme ein die klare Luft
Und trink' das Wasser rein.
2
Ich schließe meine Augen
Und setze mich hernieder,
Denk' an vergang'ne Zeiten
Und fast vergess'ne Lieder.
3
Der Wind weht durch die Blätter
Und in dem leisen Rauschen
Erkenne ich die Stimmen
Und beginne still zu lauschen.
4
Ich hör' die Ahnen, hör' die Weisen,
Die alten Götter preisend,
Die alten Riten feiernd,
Im Tanze sich umkreisend.
5
Ich lausch' der Alten Worte,
Geschichten aus der Zeit,
der Helden längst vergessen,
Aus der Vergangenheit.
6
Nun seh' ich auch die Schlachten,
Mit Schilden und mit Klingen
Seh' ich die Krieger streiten
Und Siegeshymnen singen.
7
Doch ein Schatten senkte sich
Hernieder auf das Land,
Vergiftete die Menschen,
Den Geist und den Verstand.
8
Bald waren's nur noch wenig,
Die den Weg noch wahrten,
Mit Lügen und Versprechen
Um's geist'ge Gut verraten.
9
Doch ausgestorben sind sie nicht
Und in so manchem Herzen
Lebt der Glaube weiter
Und ist nicht auszumerzen.
10
Trotz tausenden von Toten
Und einem Meer von Blut,
Die Flamme fast erloschen,
Doch glimmt noch heiße Glut.
11
Möge man sie nutzen,
Das Feuer neu entzünden,
Die alten Riten, Lieder
Und Weisen neu zu finden.
12
Der Wind hat sich gelegt,
Die Stimmen sind gegangen.
Ich öffne meine Augen,
Viel Zeit ist schon vergangen.
13
Die kühle Abendluft
Steigt langsam nun herauf.
Es wird nun Zeit zu gehen,
Ich steh' bedächtig auf.
14
Lass' meine Blicke schweifen,
Genieß' den Augenblick,
Dreh' mich um und gehe,
Doch kehr' ich bald zurück.
15
Vielleicht steh'n dann dort Freunde
Und begrüßen mich,
Das gleiche Ziel anstrebend
Und denkend so wie ich.